Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin - Seebäder mit Tradition
Die „3 Kaiserbäder“ auf Usedom, der zweitgrößten Insel Deutschlands, können auf eine lange touristische Tradition zurückblicken. Bereits um 1825 begann die Anlage des Seebades Heringsdorf, das sich in den Folgejahren zusammen mit Swinemünde (Polen), Ahlbeck und Bansin zum bevorzugten Bad der Berliner entwickelte. Der in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders von der wohlhabenden Oberschicht favorisierte mehrwöchige Sommerfrischeaufenthalt trieb die Tourismusentwicklung an diesem Teil der Ostseeküste weiter voran. Bis zum 1. Weltkrieg vergrößerte sich der Kreis an Badereisen Interessierter zunehmend und in den Küstenorten setzte neben der Herausbildung eines professionellen Fremdenverkehrsgewerbes ein wahrer Bauboom ein. In dieser Zeit entstanden die noch heute nostalgisch anmutenden Sommerresidenzen im Stil der Bäderarchitektur als bleibendes Ergebnis dieser Periode. Weiterhin sollten die neu gebauten Seebrücken, Badeanstalten und Musikkapellen den Badeurlaub der zumeist finanzstarken Gäste kulturell umrahmen und deren Erwartungen an die Seebäder erfüllen. Ihren Namen verdanken die „3 Kaiserbäder“ den häufigen Besuchen Kaiser Wilhelm II. Ebenso waren viele Künstler, wie die Gebrüder Mann, Tolstoi, Gorki oder Johann Strauß, von den Kaiserbädern angezogen und mehrfach zu Gast. Mit zusammen 62.900 Besuchern gehörten Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin bereits 1930 zu den wichtigsten und touristisch am stärksten frequentierten Ostseebädern in Deutschland. Die Bäderarchitekturbauten wurden zum Ende des 2. Weltkrieges zweckentfremdet als Herberge Erholung suchender Großstadtkinder oder als Kriegslazarett genutzt. Danach, in der DDR der fünfziger Jahre, entstand zum Teil durch Enteignung der Besitzer eine neue Art des Tourismus – der FDGB Feriendienst. Seit Beginn der sechziger Jahre konnten die „3 Kaiserbäder“ daraufhin erneut beachtliche Zuwächse aufweisen. Sie blieben zusammen mit den anderen Seebädern der Insel Usedom Schwerpunktgebiete des langfristigen Erholungsurlaubs bis zum Ende der DDR. Erwähnenswert ist, dass die touristische Infrastruktur während der DDR-Zeit keinen der hohen Frequentierung entsprechenden Ausbau erfuhr, so dass die traditionelle und Ortsbild bestimmende Architektur der Jahrhundertwende erhalten blieb, wenn auch durch Verfall in der Bausubstanz zunehmend in ihrer Qualität gemindert. Nach der Wiedervereinigung galt es sich im Jahre auch im touristischen Bereich einer komplett neuen Situation zu stellen. Die gewohnte Nachfrage aus dem Quellmarkt des Ostens brach weg und die Übernachtungszahlen fielen auf ein Niveau vor 1960 zurück. Im Prozess der Wiedervereinigung wurden die durch die DDR-Regierung enteigneten Objekte an ihre ehemaligen Besitzer zurückgegeben. Die auf diesem Weg schnell mögliche und intensive Restauration der Bauten führte dazu, dass die heutige hier vorzufindende Bäderarchitektur fast vollständig restauriert ist. Seit 1991 konnte ein kontinuierliches Ansteigen der Gästezahlen von ca. 57.000 Gästen bis auf 345.110 Gäste in 2004 verzeichnet werden. Die dem gegenüber stehende Zahl von 1.892.253 Übernachtungen leitet eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste von 5,5 Tagen im Jahr 2004 ab. Die Herkunftsstatistik beweist dabei, dass sich das Hauptquellgebiet der Gäste seit den Anfängen des Tourismus in den „3 Kaiserbädern“ nicht verändert hat. Noch immer sind die Besucher aus Berlin (16,8%) und Brandenburg (12,1%) die stärkste Touristengruppe, mittlerweile jedoch gefolgt von Gästen aus Nordrhein-Westfalen (11,1%), Niedersachsen (10,9%) und Sachsen (9,6%).
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